Gefühle – Wahrheit oder Täuschung der Vergangenheit?
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Gefühle – Wahrheit oder Täuschung der Vergangenheit?

Gefühle – Wahrheit oder Täuschung der Vergangenheit?

Im Januar habe ich einen Text verfasst, den ich euch heute mit der Bestätigung aller Anteile mitteilen kann.

„Wir fühlen heute das, was wir empfangen haben in unserer Kindheit durch andere, immer und immer wieder. Es ist wandelbar, gewohnte (schmerzhafte) in ungewohnte (wohlwollende) Gefühle. Kein papperlapapp.

Wertlos
Besonders meine Eltern zeigten mir, wie wertlos ich war. Ich bekam nichts ohne es mir verdient zu haben. Drohungen wie, ich sorge für dich bezahle dein Essen, usw. Dann musst du auch das tun, was ich von dir verlange. Unter diesen Bedingungen war jegliche Art von Missbrauch.

Was ist liebe?
Ich weiss es nicht, nicht die gesunde Art.
„Liebst du mich nicht? Zeig mir, dass du mich liebst“ diese Worte sagte besonders mein Vater vor sexuellem Missbrauch als ich ein Kind war. Ich assoziierte Liebe mit Sex. Ich mochte Sex nicht. Bis heute nur mit einer Person. Aber es war der einzige Moment, wo mir mein Vater seine volle Aufmerksamkeit schenkte. Ansonsten war ich eher Luft für ihn. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal einen Freund hatte. Mein Vater wurde eifersüchtig. Meine Mutter begann ab da mir die Schuld für den Missbrauch durch den Vater zu zuweisen. Sie sagte, ich würde es wollen und sei eine Schlampe und schlug auch auf mich ein. Sie war eifersüchtig auf ihre Tochter. Ab da lernte ich, eine Beziehung mit jemanden einzugehen ist Gefährlich. Ich beendete kurz darauf meine damalige Beziehung. Ich habe auch heute noch Angst wieder eine einzugehen. Ich habe Angst, dass es rechtfertigt zum Sex gezwungen zu werden und als selbst schuldig Verantwortlich gemacht zu werden. Ich liebe jemanden, aber ich habe Angst eine Beziehung einzugehen und halte ihn auf abstand. Ich weisste ihn ab. Er hat eine Freundin und auf eine Art freue ich mich für ihn, dass es jemanden gibt der ihn glücklich machen kann und es macht mich fertig, dass ich diese Person nicht sein kann. Heute mag diese Angst irrational sein, aber sie taucht jedes Mal auf und ich weiss nicht, was ich dagegen tun soll. Ich weiss auch, dass er mich niemals schlecht behandeln würde auf der rationalen Ebene und der emotionalen, wenn ich bei ihm bin. Doch ist er nicht mehr in meiner Gegenwart, beginnt sich meine Gefühle von der Gegenwart und Vergangenheit zu vermischen. Ich sehe nicht mehr die Wahrheit der Realität, sondern werde getäuscht durch die Gefühle meiner Vergangenheit. Ich verstand auch oft seine liebenswürdigen Taten nicht und warum er so rücksichtsvoll ist und einen enormen Wert auf meine Bedürfnisse legte. Es verwirrte mich. Wir hatten Sex miteinander und es fühlte sich schön mit ihm an. Ich liebte seine Gegenwart und fühlte mich glücklich. Ich hatte nie Angst vor ihm. Aber ich verstand sein Verhalten nicht und wusste in denen Momenten nicht, was er von mir verlangte. Ich hatte keinen emotionalen Bezug zu seinen fürsorglichen Verhaltensweisen. Ich wusste nicht wie ich mich verhalten soll. Ich war völlig verunsichert und distanzierte mich oder versuchte es zumindest. Statt das dies funktionierte löste er bei mir Gefühle aus wie Sicherheit, Geborgenheit, glücklich sein und irgendwann auch Eifersucht.


Ein Therapeut würde es vermutlich als ein gutes Zeichen ansehen. Mindestens meine jetzige. Ich sah es eher als Qual an. Meine Überlebensstrategien im Bezug zu Distanz und Nähe wurden durch ihn über den Haufen geworfen. Ich fühlte mich grundsätzlich immer wohler, sicherer alleine zu sein als in Gesellschaft von Menschen. Kam mir jemand zu Nahe brach ich den Kontakt ab auch im Freundeskreis und alles war wieder gut. Bei der Person, der ich Liebe empfand, war es genau umgekehrt. Ich fühlte mich besser mit ihm, obwohl ich mit den starken positiven Emotionen überfordert fühlte. War ich wieder ohne ihn fühlte ich mich schrecklich, da ich Probleme hatte die Gefühle auszuschalten/ abzuspalten. Ich hatte manchmal auch Blackouts nach dem Treffen mit ihm, weil ich die Sonnenseite des Lebens durch ihn kennen lernte. Somit wurde die Schattenseite für mich schwieriger zu ertragen, da ich nicht mehr konstant Gefühlslos sein konnte.

„Wer sich selbst nicht liebt, kann auch andere nicht Lieben.“ Ich würde da nicht zustimmen. Ich liebe jemanden von ganzem Herzen, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass mich jemals jemand ernsthaft lieben würde. Ich wünschte mir er würde es. Vielleicht tut oder tat er´s, doch ich hätte es ihm nicht geglaubt, hätte er mir es gesagt. Der Grund ist.. Es gibt nicht nur einen sondern mehrere. Mehrere Menschen zeigten mir von klein auf, dass ich nicht geliebt werde, wurde. Ich bin´s nicht wert. Ich muss mir das Leben zu leben schon hart verdienen. Prostitution. Meine Eltern unterzeichneten bei einem von der Sekte einen Vertrag. Inoffiziell gehöre ich denen. Ich wurde verkauft wie Wahre. Meine Eltern waren nur verpflichtet mir ein „normales“ Leben gegen aussen zu ermöglichen und mich zu Terminen zu bringen. Sie sagten mir, sie bezahlen alles für mich. Doch in Wirklichkeit bezahlte ich für alles: Besseren Job für den Vater, finanzielle Sicherheit, Bonus, keine Geldsorgen mehr im Gegenzug ein kaputtes Kind. Einem Kind die Lebensfreude nehmen im Tausch für die Sehnsucht nach dem Tod. Geld scheint für sie wohl sehr wichtig zu sein. Ist Geld so viel wert? Mehr wert als ich? Als du? Als die?

Ich wurde niemals geliebt. Ja, das ist eine Tatsache. Es ist hart. Ich weine immer, wenn ich daran denke. Es ist schmerzhaft für jeden meiner Persönlichkeiten. Doch weil wir alle das wissen und es für jeden so verdammt hart war, müssen wir zusammenhalten. Jeder meiner Teile wurde auf seine Art kaputt gemacht und niemals geliebt. Das mag wohl das einzige gemeinsame sein, dass wir haben. Keine Liebe erfahren. Keine Sicherheit. Keine Geborgenheit. Einsam durch das Leben. Wir fühlen alle den Schmerz. Jeder Anteil geht anders damit um. Manche sind wütend und wollen Rache, andere sind Traurig oder wollen high durch Substanzen werden oder nur noch Schlafen und nie mehr aufwachen. Aber es gibt eine Methode bei der alle Anteile einverstanden sind. „Nicht mehr allein sein. “ Keiner der Persönlichkeiten soll sich mehr von den anderen abspalten und allein seine Lasten tragen. Wir tragen alle den selben Schmerz aus unterschiedlichen Erfahrungen. Wir können gemeinsam daran wachsen. Gemeinsam für einander sorgen und uns ein Leben erschaffen, wo wir uns alle sicher und wohl fühlen. Jeder hat ein Recht jetzt zu bestimmen, was ok ist und was nicht. Es wird respektiert. Der Kontrast zwischen jetzt und Vergangenheit ist unvorstellbar. Das Schlimme unglaubwürdig für Aussenstehende. Das Positive und Menschen, die uns gut Behandeln sind furchteinflössend für Betroffene. Die Zweifel, dass es besser werden kann enorm hoch. Den entscheidet man sich für jedes gute Bisschen und Hilfe anzunehmen, zeigt sich auch umso mehr der Schmerz. Man fühlt den Schmerz bewusster. Man fühlt nicht nur noch ein Anteil, sondern immer mehr Anteile. Immer mehr Schmerz für jedes bisschen Sonnenschein, dass ins Leben kommt.

Momentan habe ich meine Ruhe von der Sekte und meiner Familie. Aber emotional gehe ich eine heftige Zeit durch. Ich weine ständig. Ich fühle durchgehend, auch mehrere Körperliche Symptome, die Anteil bedingt sind. Ich kann meine Gefühle nicht mehr ausschalten und rational gibt für mich manches keinen Sinn mehr. Ich versuche mehrheitlich meinen Gefühle zu folgen statt meinem Verstand. Wisst ihr was, ich fühle mich mittlerweile wohler in der Gegenwart von guten Freunden als alleine zu sein. Ich will nicht mehr alleine sein. Menschen können trösten und uns zum Lachen bringen, nicht nur zum weinen. Wisst ihr wie schön es ist, nicht mehr allein mit seinen Tränen zu sein. Jemand der einen im Arm hält bis alle Tränen aufgebraucht sind und bis die Trauer sich wieder verzieht. Das Gefühl danach.. Ich vermute so muss sich Geborgenheit anfühlen. Vielleicht ist das auch eine Art, wie Menschen miteinander umgehen, wenn sie einander lieb haben. Ich werde nie wissen wie sich elterliche Liebe anfühlt, aber ich weiss wie es sich anfühlt jemanden zu lieben und irgendwann könnte es gar nicht mehr so abwegig oder furchteinflössend sein geliebt zu werden. Denn nicht alle Menschen sind gleich, nicht jeder hat dieselbe Absicht und nicht jeder geht mit jedem gleich um. Das lerne ich zur Zeit und wie es sich bei welchem Menschen anfühlt.“

Jeder Anteil/ ID lernt es wieder neu. Jeder Anteil muss neu lernen zu vertrauen und wie sich Trost, Fürsorglichkeit, usw. anfühlt. Jeder Anteil lernt wie ein kleines Kind von Grund auf alles neu, wenn er den Mut fasst den Alltag kennen zu lernen und sich einen kleinen Schritt weiter von der gewohnten Sicherheit/ Überlebensstrategie/ Umfeld entfernt. Es ist jedes Mal ein harter Weg und sehr emotional, aber mit der Zeit merkt man, dass es sich lohnt und man sich beginnt kompletter zu fühlen. Man beginnt sich zu verstehen und andere. Man beginnt Verantwortung zu übernehmen statt abzugeben oder zu sagen mir ist es egal. Man beginnt langsam erwachsen zu werden und wie eine erwachsene Person, die sich um seine Kinder kümmert mit Kindern meine ich die kindlichen Anteile. Die erste erwachsene Person, die sich gut um die kindlichen Anteile kümmern kann und für immer wird, ist der erwachsene Anteil, ANP. Es gibt keine Person ausser sich selbst, die wirklich wissen kann, was man braucht, wenn man ehrlich zu sich ist und in Frage stellt, was will ich und was wollten, die andern damals von mir. Will ich das wirklich auch? Das lernte ich und lerne ich noch immer.

1 Comment
  • Laura Bolt
    Posted at 02:13h, 11 Mai Antworten

    Respekt! Es geht mir sehr ähnlicj. Mit der Aussnahme aich noch eine fast 17 jährige Tochter zu haben. Du triffst die Sachen auf den Punkt, besset könnte man es nicht ausdrücken.

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