Die suizidalen Anteile
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Die suizidalen Anteile

Die suizidalen Anteile

Vor etwa 2 Wochen integrierte ich einen suizidalen Anteil: „Ich will ertrinken. Das ist der schönste Tod.“

Diese Gedanken traten immer wieder auf. Ich war früher im Schwimmclub und holte manchmal extra lange keine Luft oder atmete das Wasser absichtlich ein. Es beruhigte mich, zu denken ich könnte jetzt während dem Schwimmen sterben. Ich hatte keine Angst davor. Es fühlte sich gut an, richtig. Ich liebte das Wasser wegen diesem Gefühl, dass der Gedanke auslöste: «Es ist alles gut, wenn ich jetzt ertrinke.» Spätestens nach dem Schwimm Training oder wenn ich ausserhalb des Wassers war, vergass ich, dass ich das dachte oder tat. Erst seit der Aufarbeitung und durch das, dass ich diesen Anteil notierte vergass ich es nicht mehr.

Ich kannte es nicht anders als bis vor ungefähr 2 Wochen. Dieser suizidale EP gab seine Erinnerung allen Anteilen bekannt, was zur Folge hatte, dass er seinen Schmerz mit allen teilt. Auch wenn er es nicht wirklich als Schmerz wahrnahm, begann er dennoch zu realisieren, dass es nicht normal ist durch die Reaktion der anderen Anteile, die integriert wurden. Die die nicht integriert wurden halten sich daraus, weil sie noch immer mit ihrer eigenen traumatisierenden Erfahrung kämpfen. Bei mir ist es für den emotionalen ANP am schlimmsten zu ertragen, wenn die EP’s sich mitteilen. Weil all der Schmerz zurück kommt der er damals nicht aushielt. Nur heute hat er immerhin genug Ressourcen und Unterstützung, um es zu verkraften und verdauen.

Dieser suizidale Anteil erlebte, wie es ist beinahe zu ertrinken, während andere Kinder ertranken und niemand zur Hilfe eilte. Jedes der Opfer musste sich selbst retten, um zu beweisen es verdient zu haben zu leben. Die Täter schauten nur zu.

jemand vor den eigenen Augen sich selbst, das Leben nimmt oder in solche Situationen gezwungen wird, wo man sterben kann und anderen nicht einmal helfen oder retten kann.

Nach der Trauma Exposition mit den suizidalen Anteilen, versteht man den Auslöser. Warum sie so handeln wollen. Mein heutiger ex-suizidaler Anteil, der ertrinken wollte, liebt das Wasser noch immer. Aber er will darin nicht mehr sterben, sondern darin leben. Er will das Wasser spüren. Es beruhigt ihn noch immer, aber nicht mehr die Handlung zu ertränken, sondern zu wissen, dass er es überlebte. Genauso lernt der Anteil es zu differenzieren. Was war und wie es heute ist. Wasser bedeutet nicht mehr, dass ich darin sterbe oder andere darin sterben sehen werde. Wir sind nun im Wasser sicher, denn wir werden nicht mehr ins Wasser gehen, wenn Täter anwesend sind. Und im Schwimmbad hat es einen Bademeister, der die Verantwortung übernimmt, die Person zu retten die ertrinkt. Weshalb wir dort keine Angst haben müssen, wieder in Hilflosigkeit zu geraten.

Meiner Erfahrung nach entstanden bei mir die suizidalen Anteile immer ausfolgenden Erlebnissen:

Das in der Klammer sind meine Beispiele. Trigger Gefahr!!

  • Ich sah wie jemand sich freiwillig umbrachte und sich so vom Schmerz erlöste. Die Person wählte den Freitod.  (Die Person sprang vor meinen Augen aus dem Fenster in einem Lager, wo wir auf eine grössere Schmerztoleranz und Gehorsamkeit trainiert wurden. Er verabschiedete sich vor mir, gab mir einen Abschiedskuss auf die Wange und sprang.)
  • Man wurde in Situationen gezwungen, wo man beweisen musste, dass man leben will. Mann musste um sein Überleben kämpfen. (Es gab ein Ritual im Wald, wo wir, die Opfer, jeder einen Abschiedsbrief schreiben mussten, dass man nicht mehr leben will. Man bekam einen Galgenstrick um den Hals und musste auf eine Leiter steigen. Er wurde oben an einem dicken Ast oder Holzbalken, der an den Bäumen angemacht wurde, befestigt. Wir mussten uns an dem Ast oder Balken festhalten. Wer sich nicht festhalten konnte bis die Zeit abgelaufen war, erhängte sich vor den anderen. Es wurde als Selbstmord vertuscht, das Mädchen wurde in ihrem Schlafzimmer aufgehängt und ihr Abschiedsbrief dazugelegt.)
  • Man kannte die Person und sie erzählte einem was ihr Notfallplan ist, wenn sie das Leben nicht mehr aushielt. Sie führte es evtl. auch aus. (Meiner war in der Primarschule, dass ich immer mindestens 30 Schmerztabletten im Notfall nehmen konnte, wenn ich alles nicht mehr aushielt. Ich versteckte diese in meinem Zimmer. Es war der Notfallplan einer anderen Person, doch als sie nicht mehr unter uns weilte, übernahm ich, der EP, ihren Notfallplan. Er teilte allen Anteilen den Notfallplan mit, doch nicht von wem er den hatte.)

Die suizidalen Anteile übernehmen, die Arten des Sterbens. Sie kopieren diese Person, die Handlung, weil sie es nicht verkraften, dass sie nicht mehr leben oder das wir mitbekamen wie sie starben. Meistens war es das Gefühl der Hilflosigkeit der Grund, dass der Anteil sich abspaltete. Er konnte diese Person nicht retten oder helfen weiter zu leben. Doch diese Personen leben in uns weiter als suizidale EP’s. So sind sie nicht ganz tot. So können suizidale Anteile bei ritueller Gewalt entstehen. Jedenfalls entstanden so meine suizidalen Anteile.

Bei Menschen mit DIS, kann es auch sein, dass die Anteile den Tod als einzigen Ausweg sehen, dass sie sicher sind und es ihnen nur dann gut gehen kann. Sie werden erfinderisch und suchen selbständig Möglichkeiten sich umzubringen. Meistens den schnellsten oder sichersten Weg.

Es gibt einen Vorteil der suizidalen Anteile, sie wollen niemanden schaden oder verletzten. Deshalb gehen sie auf sich selbst los. Sie machen sich Vorwürfe. Glauben, dass sie schuld sind, was damals geschah. Sie werden einem nicht glauben, dass ihre Handlung schädlich im Moment ist und nichts bringt, solang sie das Ereignis nicht aufgearbeitet haben. Sie stecken noch im Ereignis von damals fest. Doch wissen sie, dass sie andere verletzten, wenn sie sich umbringen, besteht die Möglichkeit, dass der EP versucht den Drang zurück zu halten. Er kämpft dann mit sich selbst. Meiner Erfahrung nach wollen suizidale Anteile niemals jemanden verletzten. Sie würden auch nachvornekommen und würden nicht zögern sich zu töten, wenn täterimitierende Anteile im Vordergrund stehen und jemand anderem etwas antun möchten.

Die suizidalen Anteile schützen andere vor seinen täterimitierenden Anteilen und/ oder sich selbst vor Tätern indem sie ihnen keine Möglichkeit mehr geben wollen, ihnen zu schaden auf der physischen Ebene.

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