innere Landkarte
695
post-template-default,single,single-post,postid-695,single-format-standard,bridge-core-1.0.5,ajax_fade,page_not_loaded,,paspartu_enabled,paspartu_on_bottom_fixed,qode_grid_1300,qode-content-sidebar-responsive,qode-theme-ver-18.1,qode-theme-bridge,disabled_footer_top,wpb-js-composer js-comp-ver-6.0.2,vc_responsive

innere Landkarte

innere Landkarte

Damit es mir überhaupt möglich war mit all meinen Anteilen zu arbeiten, musste ich zuerst eine Übersicht von ihnen haben. Eine Psychologin von einer Psychiatrischen Klinik empfahl mir eine innere Landkarte mit den Anteilen zu zeichnen. Ich stiess schnell ans Limit des Papiers. Die innere Landkarte zu gestalten, die man im Therapeutischen Konzept macht, funktionierte bei mir nicht wirklich. Als ich sie begann, steigerte sich die Anzahl der Anteile radikal. Ich notierte die Anteile mit einem Übertitel und der Eigenschaft, die sie am meisten ausmacht und für ihre Einzigartigkeit sorgt. Die Einzigartigkeit des jeweiligen Anteils entstand durch belastende Ereignisse. Zusätzlich nummerierte ich die Anteile. Ich zeichnete auf ein Blatt wie das innen Leben aussehen konnte, indem Anteile eine Farbe, ein Symbol oder Muster bekamen. Ich habe Grenzen gezeichnet, die dafürstanden, wo im Bewusstsein der Anteil aktiv ist und ob er impulsartig auftritt, konstant sich gegen aussen präsentiert oder nur im Hintergrund Rambazamba veranstaltet.

Der Vorteil dieser Landkarte ist, dass alle Anteile voneinander wissen, die ich darauf notierte. Dann konnte kein Anteil sich mehr vor anderen Anteilen verstecken und auch dann nicht, wenn sie es wieder wollten, wie wenn sie mit ihren Triggern konfrontiert werden. Für die Aussenstehende mag sich das vielleicht seltsam anhören, aber Anteile haben gegenseitig miteinander Probleme, weil sie manchmal das totale Gegenteil von einander sind und somit komplett andere Vorstellungen haben, was gut und schlecht ist. Gefühle, Gedanken, Körper Empfindungen sind bei jedem Anteil anders. Sie können ähnliche Meinungen, Gefühle, Körper Empfindungen haben, aber sind niemals ganz identisch, gerade weil sie aus unterschiedlichen Erfahrungen entstanden sind. Manchmal entstehen auch mehrere Anteile aus einem Ereignis.

Nachdem bei mir die innere Landkarte scheiterte, dachte ich nach, wie ich am einfachsten den Überblick behalten kann, unabhängig wie die Anzahl der Anteile am Schluss sein wird. Ich kaufte im Müller ein A5 Heft und widmete jedem Anteil eine Seite, der neu hinzukommt. Der Vorteil an dem Heft war, dass es klein, günstig und handlich ist. Sobald es voll ist, kann ich dasselbe wiederkaufen. Der Nachteil, den ich feststellte, ist, ich kann die Anteile so nicht gut nach Themenbereichen sortieren. Es ist zu unübersichtlich.

Meine neue ambulante Therapeutin, wollte so etwas ähnliches wie eine innere Landkarte sehen, aber das war nicht möglich, da ich alles nur schriftlich festhielt und nichts zeichnete. Zeichnen brachte mich selbst ans Limit. Deshalb wollte ich es auch nicht mehr versuchen. Durch sie realisierte ich, dass es Themenbereiche wie Suizidalität, Sexualität, Ernährung, Täterloyale, täterimitierende, kindliche und erwachsene Anteile, bewusst Wissen abgespaltet, Opferrolle, Körperliche Symptomatik (schmerzempfinden) und noch Einzelgänger gibt, die zu keinem Thema dazugehören. Jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Themenbereiche er nehmen möchte. Täterloyale habe ich sehr lange vermieden, weil ich so nicht sein will. Nur gab ich durch die Vermeidung dieser Anteile, die Kontrolle an die ab. Solange ich sie nicht wahrhaben will, handeln sie eigenständig. Wenn ich sie integriere und zu verstehen versuche, habe ich die Möglichkeit bewusster das Leben mit denen zu steuern und auch zu agieren, wenn es ausarten würde. Durch die Zusammenarbeit mit den EP’s und des emotionalen ANP erhalte ich, der rationale ANP, die Kontrolle zurück.

Ich scannte alle Anteile ein, das Internet war dabei ausgeschaltet, damit die Mitglieder nicht wissen, welche ich bereits integriert habe und welche noch nicht. Diese Informationen habe ich auch nicht auf meinem Desktop, sondern auf einem USB-Stick. Deshalb empfehle ich es, alles Oldschool zu machen und alles von Hand aufzuschreiben. Ausser es ist euch egal, wenn die Mitglieder informiert sind, sobald ihr beginnt auszusteigen, werden sie euer ganzes Leben noch intensiver durchleuchten, um einen Weg zu finden euch zurückzuholen. Nachdem ich es gescannt hatte, druckte ich alle aus. Für jeden Anteil benutzte ich ein Blattpapier, die Rückseite liess ich leer. Ich sortierte sie nach Themen, was schwierig war, da manche Anteile zu zwei oder drei Themen passen würden. Man hat die Möglichkeit sich zu entscheiden zu welchem Thema man sie kategorisiert oder wenn man Mühe mit Entscheidungen hat, wie ich, kann man sie einfach mehrmals zu kopieren und zu allen passenden Themenbereichen hinzufügen. Man kann auch alle einscannen.  Einen Ordner auf dem PC erstellen und anschliessend im digitalen Ordner einordnen. Das geht schneller und ist meines Erachtens übersichtlicher.

Nachdem ich alles beisammenhatte, ordnete ich sie in einen Ordner mit Register ein. Jedes Register ist für ein Thema. Der Vorteil der Themenbereiche ist, ihr könnt nur für gewisse Anteile, die in einem Themenbereich eingeordnet sind, Verträge abschliessen. Stellt euch vor, diese Themenbereiche der Registerkarte, stellt jeweils eine Selbsthilfegruppe oder einen Club, Verein dar bei dem nur die ausgewählten Anteile Mitglied sein können. Meine Anteile haben Freude daran, da es für die wie eine kleine Gemeinschaft ist. Sie waren Jahre lang allein und nun teilen sie ihre Probleme mit anderen Anteilen, die sie sich gegenseitig verstehen und beraten können. Anteile die neu hinzukommen, werden mittlerweile auch durch die (Selbsthilfe-) Gruppen integriert und nicht mehr durch den ANP (bei mir den rationalen ANP). Mein rationaler ANP hat mittlerweile genug Vertrauen zu den Gruppen, um sie machen zu lassen und beobachtet hauptsächlich nur noch. Es sei denn, es kommt ein sehr schwieriger Anteil hoch der mehr Unterstützung benötigt.

Das Wichtigste in kürze

  • Auf ein Blattpapier: ein Übertitel/ Namen für jeden Anteil ,
  • Seine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen notieren
  • Wenn der Anteil die Erinnerungen mitteilt diese aufschreibe, wenn es möglich ist (Schöne so wie Schlimme)
  • Anteile nummerieren (Unterstützt den Überblick zu behalten)

Anschliessend das Blatt einordnen und sobald eure Anteile sich bei gewissen Themen häufen, eine Registerkarte im Ordner hinzufügen. Ihr könnt auch davon abweichen und eine innere Landkarte machen, wie ich es am Anfang beschrieben habe oder eigene Ideen verfolgen. Für mich ist, diese Methode am hilfreichsten.


					
No Comments

Post A Comment