Trauma Exposition
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Trauma Exposition

Trauma Exposition

Es gibt verschiedene Arten das Trauma aufzuarbeiten; EMDR, Somatic Experience und auf Google findest du noch weitere Möglichkeiten.

Viele Fachleuten sagen, es sei wichtig eine gewisse Stabilität zu haben bevor man das traumatisierende Ereignis aufarbeitet. Meiner Erfahrung nach, erreicht man erst eine gewisse Stabilität nach dem man es aufgearbeitet hat. Schliesslich realisiert man erst nach der Aufarbeitung, dass es Vergangenheit ist auf der psychischen und physischen Ebene. Erst danach kann man sich davon distanzieren.

Wenn es zu mehreren Traumatisierungen führte, die von klein auf schon begannen, ist der Zustand von Dissoziation normal, man hat kein oder selten ein Gefühl oder Gespür für die Realität in dem Sinn, wie es Menschen kennen, die nicht traumatisiert sind. Das Problem und gleichzeitig ein grosser Vorteil ist, Gefühllosigkeit. So gut wie alles, was ich auf der Webseite schreibe, schreibe ich mit dem rationalen ANP, sprich ohne Emotionen. Durch das, dass einer meiner ANP’s keine Gefühle empfindet, kann ich sachlicher bleiben. Gefühlslosigkeit hat durchaus Vorteile. Das Problem bei Gefühlslosigkeit ist, irgendwann explodieren die Gefühle und man kann sie nicht gut zurückhalten, die EP’s machen sich irgendwann bemerkbar. Das passiert mir auch hier beim Schreiben, ihr habt es bestimmt schon bemerkt und wenn nicht werdet ihrs noch.

Je extremer die Traumatisierung ist, desto wichtiger ist es die Exposition sofort zu machen, meiner Meinung nach. Der eine Grund dafür ist, es wird noch mehr hochkommen, wann die letzte Erinnerung im Bewusstsein ist, ist und bleibt noch ungewiss. Je mehr Erinnerungen hochkommen, desto mehr EP’s zeigen sich gleichzeitig. Je mehr Ep’s man hat, die emotional sind, desto schwieriger ist es stabil durch den Alltag zu gehen. Die Emotionen, die die EP’s haben, haben sich von dem Zeitpunkt der Abspaltung bis heute nicht verändert. Durch die Trauma Exposition eines Ereignisses beginnen sich die Gefühle der Ep’s, die bei dem Ereignis aktiv waren zu verarbeiten. Nicht nur die Gefühle beginnen sich zu verändern, sondern auch die Denkweise, den Glaubenssatz des EP’s kann sich dadurch wandeln. In die Form, die er will. Der ANP hat eine bessere Chance Einfluss auf den EP zu bekommen nach der Trauma Exposition, weil der EP ins Hier und Jetzt ankommt. Der EP merkt, dass sein Überlebensmodus, den er aufgebaut hat, heute nicht mehr gebraucht wird. Dadurch wird er offener, aber auch unsicherer. Dann braucht es von aussen dringend eine neue Orientierung, Struktur, Abmachung, Vertrag oder vielleicht auch einfach nur Zeit, um das neue Umfeld zu beobachten und einen Platz im Alltag zu finden.

In der Psychiatrischen Klinik begann ich meine erste Trauma Exposition mit einem Psychiater zu machen. Anfangs brauchte es viel Überwindung darüber zu reden, aber ich spürte die Angst nicht wirklich. Ich ging einfach in die gewohnte Gefühlslosigkeit, so hielt ich es aus. Es war sehr intensiv und ich schlief nebenbei viel. Bei der Trauma Exposition war es für mich am Anstrengendsten, dass es immer so lange ging, ich musste jedes Detail erzählen von Anfang bis zum Schluss. Den ganzen Raum beschreiben, jedes noch so kleine pingelige Detail, das für mich nicht einmal relevant war und ob ich die Farbe des Fussbodens erwähnte, spielte für mich keine Rolle. Natürlich kann es für andere relevant sein, weil vielleicht ein blauer Teppich heute triggern könnte. Aber heute weiss ich, die Anteile setzten auf ihre Art ihren Fokus und wenn nicht der Anteil vorne ist, bei dem der blaue Teppich triggert, bringt es auch nichts ihn gross zu erwähnen oder darauf einzugehen. Es könnte eher hinderlich sein, da jeder Anteil seine eigenen Warnsignale hat, wann eine Gefahr ist. Natürlich kann man sie hervorlocken, wenn man auf jedes Detail eingeht, aber es kann genauso zu viel werden psychisch so wie physisch. Den zu viele Wechsel der Anteile während einer Trauma Exposition ist sehr heftig. Das grösste Problem von diesen Wechseln zwischen den Anteilen während einer Trauma Exposition ist, dass nicht alle Anteile bereit sind, sich damit zu konfrontieren. Sie glauben nicht, dass es nur noch eine Erinnerung ist. Die Folge davon ist, das Gefühl von Ohnmacht von vielen Anteilen, die noch nicht bereit sind. Sie wollen so schnell wie möglich schlafen, um nichts mehr mitzubekommen. Einmal bitte ausklinken. Ade, merci. Der ANP hat keine Wahl und wird gezwungen zu schlafen. Doch fängt man die Trauma Exposition an, muss sie fortgesetzt werden oder der Anteil bleibt darin stecken und das hat kein bezauberndes Nachspiel. Bitte niemals unterbrechen. Auch wenn das Ohnmachtsgefühl von anderen Anteilen auftaucht und ihr zu dissoziieren beginnt. Um dies zu vermeiden erkläre ich euch, wie ich es heute mache und ich das Gefühl von Ohnmacht vermeiden kann, so wie den dissoziativen Zustand während der Exposition.

Durch die Trauma Exposition mit dem Psychiater lernte ich wie eine Trauma Exposition ablaufen kann. Während der ambulanten Traumatherapie machte ich sie selbständig, immer sofort, wenn wieder etwas hochkam. Nur verkürzter und meistens nur mit einem Anteil. Mittlerweile frag ich die Anteile direkt, wenn sich neue bemerkbar machen, wodurch sie entstanden sind und wovor sie Angst haben, etc. und schaue mit ihnen ihre (unsere) traumatisierende Erfahrung an. Ich beginne mit den neuen Anteilen einen inneren Dialog, wenn ich sie bemerke. Dadurch kann ich (ANP, manchmal auch EP’s) gefasster und kontrollierter vorgehen. So werde ich nicht so schnell von ihnen überrumpelt.

Mein Vorgehen

Ich schreibe die Handlung auf, wenn möglich der Reihe nach. Manchmal kommt auch während dem Schreiben etwas hoch, dass am Anfang geschah und dann erwähne ich einfach, wann dies ungefähr beim Ereignis vorkam. Es kann auch sein, dass der EP nur einzelne Wörter aufschreibt und keine vollständigen Sätze.

Was ich am Ende oder währenddessen aufschreibe sind Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen und Gerüche. Es ist besonders wichtig darauf zu achten, weil diese Körperempfindungen im Alltag auftauchen können (psychosomatische Empfindungen). Man muss das Ereignis nicht nur auf der psychischen Ebene verarbeiten, sondern auch auf der physischen Ebene. Ist es der Fall, dass es nur auf der psychischen Ebene verarbeitet wird, können die Körperempfindungen, die während des traumatisierenden Ereignisses entstanden sind, sich weiterhin im Alltag bemerkbar machen.

Mit der Zeit werdet ihr realisieren, dass die Trauma Exposition weniger intensiv ist wie am Anfang der ersten Paar. Der Grund ist nicht, dass es weniger heftig oder intensiv ist, sondern ihr gewöhnt euch daran. Gewöhnt euch an die Gefühle, habt Anteile, die euch unterstützten, die stabil sind und ihr wisst, es ist vorbei. Jede Erinnerung, die hochkommt ist nur noch eine Erinnerung. Die Aufarbeitung wird schneller gehen. Ich brauchte Anfangs ein bis zwei Stunden, um ein Ereignis aufzuarbeiten. Mittlerweile habe ich nur noch 10min für eine Trauma Exposition und mache sie manchmal auch auf dem WC der Schule und gehe anschliessend wieder in meine Klasse. Die Aufarbeitung mache ich überall, weil ich anders nicht ganz ins hier und jetzt zurückkomme. In der Schule bekomme ich nichts mehr mit vom Schulstoff. Ich bekomme immer mehr Mühe wach zu bleiben, weil ich die Ohnmacht des Anteils immer stärker wird. Er übernimmt die Kontrolle, weil er eine Gefahr sieht oder sich einfach mitteilen will. Genauso hört die Trauer, Wut, Angst nicht auf. Es ist anstrengend sich zusammenzureissen und gegen aussen keine Gefühlsausbrüche zu bekommen. In welche Richtung es ausarten könnte, wäre unkalkulierbar. Bei der Trauma Exposition verarbeitet man es hauptsächlich mit Traurigkeit. Der Vorteil bei diesem Gefühl ist, niemand wird verletzt. Man lässt den Schmerz, der einem zugefügt wurde, an sich heran und haltet ihn aus. Irgendwann lässt er mehr und mehr nach. Es braucht einfach Zeit. Bei mir kann es passieren, dass ich anfange zu zittern oder nicht mehr sprechen kann, wenn etwas neu hochkommt oder ich es noch nicht verarbeitet habe. Durch die Trauma Exposition kann ich diese Zustände verhindern oder oder sie halten nur kurz inne, während dem ich die Erinnerung am Aufschreiben bin.

Die Rolle des Therapeuten

Der Anteil, der sich mitteilen will und erzählt, was geschah, sieht das traumatisierende Ereignis als normal an. So wie sein damaliges Umfeld, die Täter. Die Rolle des Therapeuten ist nicht wirklich ihn auszuquetschen und jedes pingelige Detail zu erfahren. Sondern auf bodenständiger Weise seine Emotionen und Gedanken zum Erzählten mittzuteilen, wenn es der Anteil möchte. Wenn ja, dann ein neues Spiegelbild bitte. Das bedeutet folgendes. Der Anteil lernte; was geschah, ist normal, nicht schlimm, ist doch egal, usw. Er ist abgehärtet. Durch die Reaktion des Therapeuten, geschieht eine Aktion beim Anteil. Wiederspricht sie sich seiner gewohnten Reaktionen vom Umfeld von früher, ist er verwirrt und geschockt. Das rüttelt den Anteil auf. Darum ist es wichtig darüber zu reden, der Anteil wird anfangs die widersprüchliche Reaktion des Therapeuten vermutlich nicht verstehen und es kann zu einer Überforderung kommen. Bitte an alle Therapeuten zeigt euren Schock, eure Wut, Mitgefühl, usw. Präsentiert eure Emotionen und Gedanken auf einem Silber Tablett am Patienten, aber rastet nicht aus und übertreibt auch nicht. Bleibt authentisch und bodenständig dabei. Der Anteil lernt sehr viel von euren Ansichten und Reaktionen, er übernimmt sie nicht 1 zu 1, aber er beginnt vieles zu hinterfragen. Was ein sehr gutes Zeichen ist. Besonders seine Vergangenheit wird er hinterfragen und irgendwann kommen die Fragen: Was ist richtig? Was ist falsch? Woher erkenn ich das? Meiner Erfahrung nach, zeigen diese Fragen, dass der Patient auf dem Weg zu seinem ursprünglich Ich ist. Schliesslich erkennt er, dass er zu Unrecht schlecht behandelt wurde. Wer das erkennt, kann seine Glaubensätze in eine neue Richtung lenken.

«Die Antworten was richtig und falsch ist, entscheidet jeder selbst. So wie jeder die Konsequenzen für seine Taten trägt.» Diese zwei Sätzen begleiten mich als Wegweiser durch mein Leben. Ich mache das, wozu ich stehen kann, kann ich es nicht, mach ich es nicht. Ich verbiege mich nicht mehr für niemanden mehr. (Ausser für meine Katzen 😊 MY BIG LOVE)

Zusammenfassung

  • Ein Übertitel pro Trauma Exposition
  • Anteil(e), der dies erlebte
  • Wo geschah es? Kontinent, Land, Stadt, Gebäude, Räumlichkeiten
  • Wann? Wie alt war ich damals ungefähr? Jahreszeit? Tageszeit? Wetter?
  • Wer? Wer hatte welche Rolle? Namen der Personen? Merkmale der Personen? Wie viele?
  • Die Handlung aufschreiben
  • Auf Empfindungen achten wie Schmerz, Gerüche, Geräusche, Geschmack, …
  • Die Gefühle und Gedanken notieren

  • Dem Therapeuten per E-Mail zuschicken, in der Therapie zeigen oder es persönlich erzählen
  • Der Therapeut äussert seine Meinung dazu, nur auf Erlaubnisdes Patienten und seiner Anteile
  • Darüber sprechen, wenn der Patient (die Anteile) dazu noch etwas beschäftigt oder/und der Therapeut etwas dazu beschäftigt
  • Der Beitrag „Weltbild verändern“ kann auch noch unterstützend sein für den neuen EP

Ich schreibe die Erinnerungen, die auftauchen meistens gleich zum Steckbrief des Anteils hinzu oder den Übertitel des Ereignisses zum Steckbrief des Anteils.

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