Meine Ressourcen
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Meine Ressourcen

Meine Ressourcen

Ja, ich will leben! Warum? Das erfährst du hier.

Mein vertrauensvolles Umfeld

Mein Freundeskreis gehört zu meinen Ressourcen, besonders da ich selbst entscheiden kann, wer in meinem Leben bleibt und wer nicht. In meinem Leben erkannte ich, wenn sich jemand für mich als Person interessiert, mich wertschätzt, wie ich wirklich bin, dann sind es meine engsten Freunde. Sie akzeptieren meine Gefühlslagen, unterstützen mich in schweren Zeiten und geniessen mit mir die schönen Momente. Genauso respektieren sie meine Ängste, wie dass ich niemand wirklich an mich heranlassen will und es deshalb auch zu längeren Pausen kommen kann bis wir uns wiedersehen. Irgendwann werde ich diese Angst überwinden so wie die Meisten, aber erst, wenn ich weiss, dass keine Vorfälle mit Mitgliedern der Sekte geschehen. Ich möchte sie nicht mehr als nötig belasten und in einer Hilflosigkeit sehen, weil sie den Umständen entsprechend nichts machen können, damit ich sicher bin. Zusätzlich will ich sie auch nicht in Gefahr bringen.

Verantwortung

Dank meinen liebevollen Haustieren, natürlich Katzen, bin ich verpflichtet zu leben. Das hört sich bestimmt merkwürdig an, aber meine Anteile drehen jedes Mal durch, wenn Mitglieder oder meine Eltern vor meiner Haustüre auftauchen. In diesen Momenten funktionierte ich meistens, wie ich es früher tat und gehorchte, anschliessend hatte ich ein Blackout. Eine Zeitlücke, wo ich nicht wusste was passiert war. Obwohl es überstanden war, was auch immer geschah, reagierten meine Anteile noch immer extrem und impulsiv. Sie übernehmen dann teils die Kontrolle über meinen Körper. Extrem bedeutet, ich habe den Drang jemanden umzubringen, wenn ich dies davor als Auftrag bekam. Ich bin froh, dass ich bisher nicht danach handelte, obwohl es sich in dem Moment als das einzige Richtige anfühlte, obwohl ich rational wusste, dass es falsch sei. Sobald ich in den fremdgefährdenden Anteilen bin, schwankt es ins andere Extreme: Selbstgefährdung. «Lieber sterbe ich, als jemand anderem was anzutun.», das ist der Grund, warum ich anschliessen in diesen Anteil wechsle nach fremdgefährdenden Impulsen, die von aussen ausgelöst wurden. Ansonsten tauchen diese suizidalen Anteile nur auf, wenn sie glauben, sie müssten sich so schnell wie möglich schützen und der Tod ist in diesem Moment der einzige Ausweg. Ich gehe nach oder während diesen intensiven Wechseln der EP’s auch meistens in die Psychiatrische Klinik auf die Akutstation, um schnellst möglich wieder ein Gefühl von Sicherheit zu bekommen und den Anteilen zu zeigen, dass es diese Seite des Lebens auch gibt und wir sie irgendwann auch im Alltag erreichen werden. Dadurch, dass nur ich (mit allen Anteilen) die Verantwortung für meine Katzen habe und es an erster Stelle liegt für ihr Wohl sorgen zu können, suche ich jedes Mal wieder einen Weg, um in einen gesunden Zustand mit den Anteilen zukommen, wo der ANP die Führung hat bis die EP’s integriert sind und wie ich mehr zu meiner eigenen Sicherheit beitragen kann, sprich mehr Abstand zu den Tätern erhalte.

«Ich finde mich!»

Das ist einer der Gründe, weshalb eine weitere Ressource von mir ist, dass ich mich nur auf mich selbstverlasse. Es ist unmöglich mein Umfeld und was in Zukunft geschehen wird zu kontrollieren, aber ich kann in diesem Moment bestimmen, was ich lernen will und in meinem Leben erreichen möchte. Alles Materielle kann man einem wegnehmen oder es beginnt zu triggern. Alles, was ich gelernt habe kann mir niemand mehr wegnehmen. Meine Erinnerungen, mein Wissen, Können, Talent bleibt für immer bei mir, das ist die einzige Konstante in meinem Leben. Mein Können kann nur einrosten, wenn ich es länger nicht verwende. Genauso kann ich entscheiden, wie ich sein will, aber dafür muss ich mich mit meiner Vergangenheit konfrontieren, um mein angstgesteuertes Verhalten aufzulösen.

Mein Antrieb die Trauma Exposition zu machen, nachdem ich mich noch mehr an früher erinnere ist, dass ich mich mit jeder Erinnerung ein Stück besser kennen lerne und realisiere, dass ich danach die Entscheidung habe, ob ich so sein will wie früher. So wie ich geformt wurde oder ob ich mich anders gestalten möchte (so wie ich schon immer sein wollte, mein Kern). Es mag sich traurig anhören, aber in diesem Umfeld vergisst man, wer man ist, es wird einem ausgetrieben. Die Dinge, die mich faszinierten, bewunderte ich mit er Zeit nur noch bei anderen. Ich selbst ging diesen Tätigkeiten nicht mehr nach, wie zum Beispiel, dass ich Mal Modedesignerin werden wollte. Genau so wollte ich das Klavier spielen sehr gut beherrschen. Auch bei anderen Dingen kam immer wieder die Sehnsucht, doch sie war mit Angst verbunden und wo bei mir die Angst auftauchte, erstickte sie in der anhaltenden Gefühlslosigkeit. Ich begann meine Bedürfnisse und Träume nicht mehr zu bemerken. Ich empfand nicht mehr die unbeschwerte Freude dafür wie ursprünglich. Dank der Trauma Exposition, erobere ich es langsamen und Stücke für Stück zurück. Alles was mich triggerte, provoziere ich erst recht, weil ich die Kontrolle darüber haben will. Ich will mich nicht erinnern, aber ich muss es, wenn ich mich selbst nicht in den Trümmern verlieren will, sondern finden. Ich folge der Angst, um sie zu überwinden. Jeder hat die Wahl, wie er mit Erinnerungen umgeht, wenn er sich erinnert.

Was ich zu meinen Ressourcen zurückgewann und nun ohne Angst mache:

  • Klavier spielen
  • Gitarre spielen
  • Kleider schneidern
  • Zeichnen
  • Klassische Literatur lesen
  • Kochen nach Rezept
  • Wandern in der Natur, Wald
  • Geld für Essen ausgeben
  • In andere Länder zu verreisen
  • Mit meinem Umfeld über meine Vergangenheit reden ohne lügen zu müssen.
  • Unterstützung annehmen
  • Gefühle empfinden und die Echten zeigen (nicht immer motivierend, besonders am Anfang)
  • Freude und Begeisterung am Leben
  • Zu speisen, ohne die Erlaubnis des Gegenüber zu brauchen, da mein Umfeld mich dafür nicht bestraft.

Vergiss nie: Was noch keine Ressource ist, kann noch eine werden!

Das Verständnis des menschlichen Verhaltens

Was ich durch die Aufarbeitung bemerkte war, dass so wie mich andere behandelten, die Handlung nichts über mich aussagte, das Gegenüber äusserte etwas über sich selbst. Die Person zeigte mir, wie sie selbst behandelt wurde. Verletzt mich jemand, dann nur weil sie es selbst auf diese Art oder eine andere Weise wurde. Ohne es zu merken, gewährt sie mir einen Einblick in ihre verwundbarste Seite ihrer Seele. Das bestätigte mir, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Trotzdem entschuldigt es nicht, dass man das Erfahrene weiterführt, wenn es andere verletzt. Durch diese Erkenntnis konnte ich mich besser differenzieren von meinen Minderwertigkeitskomplexen, die durch andere entstanden. Ich hörte auf zu glauben, dass ich an allem schuld bin und ich verdient hatte, was mir wiederfuhr. Ich begriff, dass es eigentlich keinen Unterschied macht, ob ich oder jemand anders schlecht behandelt wird. Es macht keinen Unterschied! Niemand sollte auf eine Stufe herabgesetzt werden oder mit anderen verglichen werden und dabei blossgestellt oder verändert werden. Jeder ist auf seine Art einzigartig und dass ohne, dass er was dafür tun oder erreichen muss.

Dankbarkeit

In ziemlich jeder Religion heisst es, man soll dankbar sein. Für Atheisten, wie ich, begegnen dem Thema Dankbarkeit bei den Selbsthilfebüchern und Ratgeber. Niemand kommt an diesem Thema vorbei. Ich selbst habe nie ein Buch darüber gelesen, die Titel dieser Bücher sagten für mich immer genug aus. Ich fragte mich lange Zeit, wofür sollte ich dankbar sein. Meine Vergangenheit legt mir nur Steine in den Weg. Mein Leben ist die Hölle.

Mit 17 Jahren skizzierte ich in der Psychiatrischen Klinik ein Bild. Diese Zeichnung faszinierte mich und ich hing es dort im Zimmer auf. Je länger ich es ansah, desto mehr bemerkte ich die Bedeutung des Bildes. Ein Lebensbaum mit 18 Blätter auf der einen Seite auf der anderen Seite 3 Blätter, diese wurden durch einen Pfeil in der Mitte getrennt. 21 Blätter hat dieser Baum insgesamt. Natürlich geht es noch weiter, aber das sind die wichtigsten Infos. Dieses Bild hatte ich direkt nach dem Klinikaufenthalt in meine Haut gestochen. Es war mir wichtig es täglich ansehen zu können, egal wo ich bin. Der Grund dafür ist, es soll mich in den dunkelsten Stunden erinnern, dass es immer einen Weg gibt dafür steht der Pfeil. Der Baum ist mein Lebensbaum, mein Leben. Die 18 Blätter auf der linken Seite symbolisierten, dass ich 18 Jahre geschafft hatte zu überleben. Links steht hier für die Vergangenheit, rechts für die Zukunft. Auf der rechten Seite sind nur 3 Blätter, weil ich den Spruch liebe «Alle gute Dinge sind drei». Drei Jahre, die ich mir gebe, um mein Leben umzugestalten und alles dafür zu tun, um ein glückliches und autonomes Leben zu erreichen. Schaffe ich dies nicht, gebe ich mir die Erlaubnis, mir das Leben nehmen zu dürfen. Diese 21 Jahre habe ich erreicht. Wie ihr sieht lebe ich noch immer, sonst könntet ihr all das nicht lesen. Heute bin ich dankbar, ohne dass ich irgendwelche Bücher gelesen habe oder an irgendeine Religion glaube. Ich bin dankbar, dass ich mir diese Chance gab und das Vertrauen, es zu versuchen. Dankbar für jeden Moment, den ich ohne die Mitglieder verbringe und den ich selbst entscheiden kann, was ich mit meinem Leben anfange. Oftmals bin ich noch überfordert, weil ich alles auf einmal machen möchte, was ich will. Die Auswahl ist unkalkulierbar riesig. Trotzdem macht mich diese Art von Überforderung glücklich. Heute macht mich vieles glücklich, sogar wenn ich von anderen Menschen verletzt werde. Ich bin fähig es zu fühlen. Ich fühle, wer und was eine Bedeutung in meinem Leben hat. In dem Moment, wo ich das hier niederschreibe, weine ich. Mir kommen die Tränen, weil ich gerührt bin und unheimlich dankbar, es so weit geschafft zu haben. Ich bedanke mich hiermit bei allen Anteilen, dass ihr mich soweit getragen habt und auf mich aufgepasst habt, als niemand in meinem Leben diese Verantwortung übernahm. Ihr müsstet die Reaktion erleben von meinen Anteilen, die durch diesen einen Satz ausgelöst wird. Sie schwanken von geschockt zur Trauer bis hin zur Freude. Alle Emotionen sind da und ich heule wie ein Wasserfall, aber dieses Mal nicht aus einer schmerzhaften Erfahrung heraus, sondern einer Schönen.

«Nicht zu weinen bedeutet nicht, dass du nicht traurig bist. Zu lachen bedeutet nicht, das du glücklich bist.» Diese Fassade riss ich in den letzten drei Jahre nieder. Ich setzte den Fokus auf die Aufarbeitung und die Qualen, die mir das Leben gab. Nach dem ich mit einer Erinnerung klar kam, tauchte schon das Nächste in meinem Gedächtnis auf. Ich fühlte eine lange Zeit nur noch Schmerz oder nichts. Das nichts war normal mit all 3 bis 6 Monaten ein paar Stunden voller Trauer und Todessehnsucht. Aber immerhin wurde die innere Leere seltener und die bedrückenden Gefühle nahmen zu. Mein falsches Lachen verging für eine Weile, um mit einem herzhaften Lächeln zurückzukommen.

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