die Anteile verstehen
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die Anteile verstehen

die Anteile verstehen

Meiner Erfahrung nach deckt die Wut oft (nicht immer) den eigenen Schmerz. Weshalb ich praktisch jeden meiner EP’s, die Wut oder Hass von Anfang an empfinden versuche zu brechen, um in näher zu seinem Schmerz zu bringen. Man will sich nicht «schwach» fühlen und traurig sein, aber nur wer schwach sein kann und keine Angst davor hat, ist wirklich stark. Erst wenn man seine schwache Seite zeigen kann, zeigt man sich so wie man wirklich ist. Man kompensiert nicht irgendwas und hört auf sich durch verletzendes Verhalten zu schützen und andere dabei zu verletzten, wenn auch unbeabsichtigt.

Genauso ist es bei guten Gefühlen, die man bei zerstörerischen Handlungen wie SVV (Selbstverletzendes Verhalten) oder fremdverletzendes Verhalten als richtig empfindet. Diese Handlungen bestätigen sich als richtig für die EP’s, gerade weil es auf der emotionalen Ebene mit Freude, Erleichterung nach der Handlung verknüpft sind. Die Gefühle prägen den EP gleich stark wie seine Gedanken. Vielleicht sogar noch stärker.

Ein Grund, dass sich für ein EP die täterimitierenden Handlungen überwältigend gut anfühlen, kann sein, dass sein damaliger Täter im mit Freude begegnete, währen er Qualen erlitt. Der ANP hielt dies nicht aus, weil es damals nicht in sein Weltbild passte. Daraus entstand ein Anteil, der es als richtig ansieht kognitiv und emotional. Der EP spiegelt sein Täter wider, so wie Kleinkinder ihre Eltern, weil der ANP nicht so sein kann, wie es erwünscht ist und sich nicht freiwillig verändern will. Es ist gegen die Natur des ANP, weshalb sich der EP vor ihm versteckt.

Ich selbst glaube meinen Gedanken und Gefühlen und nehme sie an, aber ich handle nur unter gewissen Bedingungen. Habe ich starke Gefühlsausbrüche (egal ob Wut, Trauer, Freude, Ekel), körperliche Schmerzen, Gedanken, die sich ständig wiederholen, wie eine Schallplatte mit einem Kratz.

Was ich tun kann:

  • Wenn es möglich ist, in Kommunikation gehen mit dem Anteil, der sich in den Vordergrund drängte.
  • Die Anteile hervorlocken, die für deine Sicherheit sorgen oder zu denen man vertrauen hat, dass es nicht schlimmer wird. Ich bevorzuge die kindlichen Anteile, wenn ich etwas mehr Unbeschwertheit, Leichtigkeit fühlen möchte. Wenn es ein Anteil ist der Erziehung und Struktur braucht, bitte ich einem vernünftigen erwachsenen Anteil hinzuzukommen. Ist es ein täterimitierender Anteil brauche ich das Gegenstück; einer mit einer Opferrolle(am Besten, der der die Handlung in der Opferrolle kennt, die er gerne ausführen würde), damit der täterimitierende EP das Verständnis emotional und kognitiv bekommt, was er dem Gegenüber antun würde. Meistens schreckt das den täterimitierenden Anteil ab, weil er realisiert, dass seine Handlung beim Gegenüber nicht das Gleiche auslöst wie bei ihm.
  • Die Zeit überbrücken, hinauszögern und aushalten. Alle gefährlichen Handlungen hinauszögern. Genauso bei Geldausgaben, man verschwendet sein Geld ziemlich schnell, weil die Anteile überzeugend sein können, dass man das Produkt unbedingt braucht. Da es sich richtig gut anfühlt in dem Moment, lässt man sich schnell verleiten und kann so zur Geldnot kommen oder Dinge zu klauen.
  • Sein gesundes Umfeld informieren, wenn ein anderer Anteil die Kontrolle übernimmt, der uns zur Zeit nicht gut tut. Mit jemanden in Kontakt bleiben per Telefonat oder Nachrichtenaustausch bis es sich beruhigt oder bis eine (Vertrauens-) Person kommt.

Als letzte Möglichkeit sich bei einer Notfallstelle melden. Ich gehe immer sofort in die Psychiatrische Klinik auf die Akutstation, wenn ich merke, dass ich immer mehr die Kontrolle über einen oder mehrere Anteile verliere, statt das wir (ANP’s), die Situation wieder besänftigen können. Manchmal geht es nicht anders, als von aussen Hilfe anzunehmen. Man ist nicht allein in dieses Krankheitsbild gekommen und genauso muss man Hilfe annehmen, um wieder heraus zu kommen. Auch wenn man niemandem vertraut. Vertraue wenigstens dir. Schliesslich konntest du dich bis heute retten, denn du lebst noch immer, dank dir selbst. Danke deinen Anteilen. Ich bedanke mich immer wieder bei ihnen und sie sind dann auch gerührt. Ich beginne dann zu weinen, weil es mir (vielen Anteilen) nahekommt.

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