Tagesstrucktur
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Tagesstrucktur

Tagesstrucktur

Besonders wenn du den Ausstieg anpackst und beginnst vieles aufzuarbeiten, ist es wichtig, die Normalität beizubehalten. Wenigstens ein wenig. Bei der Aufarbeitung erinnert man sich immer wieder, wie schlimm Menschen sein können, dass man niemandem vertrauen kann. Hat mein kein Umfeld mehr, das einem das Gegenteil beweist, verfestigt sich das Misstrauen immer mehr. Korrigierende Erfahrungen sind deshalb äusserst wichtig. Deshalb tat ich alles um meine Ausbildung fortzusetzten. Meine Klassenkameraden zeigten mir eine Unbeschwertheit, die das Leben bieten kann. Ich hatte auch Spass und Freude in meinem Leben, die echt war und ich auch wirklich empfand. Die Tagesstrucktur ist ebenfalls wichtig für die Realitätsüberprüfung. Mir selbst half es, weil es mir vor Augen zeigte, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehme und selbst entscheiden kann mit wem ich zu tun habe und was ich heute mache. Meine Tagesstrucktur bestätigte mir immer wieder, dass der Moment, da ich meiner Tagesstrucktur nachgehe mein freier Entscheid ist und ich es für mein Wohl tue, nicht um Geld zu verdienen, eine Ausbildung machen muss oder ich irgendjemandem etwas schulde oder von mir verlangt. Für mich bedeutete es auf eine Art Freiheit, besonders weil ich auswählen konnte, was ich tun muss, um mein Traumberuf zu erlangen.

Ziel der Tagesstrucktur ist, seine Belastung zu erproben. Eine Tätigkeit zu finden, die man gerne macht oder später machen würde. Und Menschen, um sich zu haben, die es gut mit einem meinen und unterstützend sind, freundlich und ehrlich. Man braucht einen positiven Ausgleich, während man alles aufarbeitet. Ansonsten wird man schnell depressiv, vertraut niemandem, Ängste übernehmen die Kontrolle übers Leben und einfache Tätigkeiten (wie Haushalt oder Einkaufen) werden schwieriger zu meistern. Und irgendwie ist es doch auch schön, wenn man ein wenig das Gefühl hat, man ist normal.

Was die Tagesstruktur einem bietet ist Sicherheit. Warum? Weil man so abgesichert ist, dass es jemandem auffällt, wenn man plötzlich verschwinden würde auf unbestimmte Zeit. Die Täter würden niemandem entführen, wenn der Verdacht dabei auf sie gelenkt werden kann, deshalb ist es auch wichtig, dass der Arbeitgeber und das Umfeld (Sozialhilfe, Beiständin, Freunde, Therapeut, Bezugsperson bei der Polizei, etc.), wissen wer mögliche Entführer (Eltern, satanistische Sekte, Liste mit Namen) sein können. Die Täter haben so die Möglichkeit, dass sie einen nur in der Nacht mitnehmen können und dich zurückbringen müssen, bevor der morgen anbricht.

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